Die Zukunft

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss, der inhaltlich als Teil dieser Seiten anzusehen ist.



  Startseite
  Archiv
  Webcast
  Impressum
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Links
   Das Maiglöckchenmassaker
   Dengmert Rock City
   Stoppt Blair!
   The Guests
   Titanic




Locations of visitors to this page

Creative Commons-Lizenzvertrag



http://myblog.de/turambar

Gratis bloggen bei
myblog.de





Meine Träume sind andere

Slavoj Žižek erzählt häufig die Anekdote von Niels Bohr, der ein Hufeisen über der Tür aufhing, weil man ihm sagte, es brächte auch dann Glück, wenn man nicht daran glaubt. Gemeint ist, dass wir heute ideologisch motiviertes Verhalten als rational wahrnehmen, weil heutige Ideologie derart sanft daherkommt, dass wir ihre Prämissen akzeptieren, ohne sie in einer schwierigen Auseinandersetzung zu hinterfragen.

Ein Beispiel, dass mir im Zusammenhang mit Debatten um den Erfolg der Piratenpartei aufgefallen ist: die reale Existenz von „geistigem Eigentum“ wird schon als gegeben angenommen, ohne dass jemand den Begriff überhaupt sinnvoll herleiten könnte. Wenn man den Bogen etwas weiter spannen will, die reale Existenz von Eigentum an sich, dass sich ein Einzelner scheinbar erarbeiten könne, ohne jegliche gesellschaftliche Ressourcen zu nutzen, eine recht offensichtliche Illusion.

Žižek nennt die Leitideologie „spiritueller Hedonismus“ (das fiel mir heute wieder ein, als der Papst in einer unfreiwilligen Bankrott- erklärung beider Seiten die Grünen lobte und Ahmadinejad sich auf Atomkraft sowie die Rückkehr Jesu freute; seltsame Zeiten). Wir müssen nur wir selbst sein und unser Potential verwirklichen, und schon werden alle unsre Fehler in klassischen Hollywood-Endings vergeben und wir haben Erfolg, können uns der neusten Konsumgüter erfreuen und unsere von Marketingabteilungen ausformulierten Träume verwirklichen.

Alles, was nötig ist, ist die Akzeptanz der Ideologie, ein gewisser Basis-Konformismus in der Wahl unserer Denkverbote, ein Anerkennen der These, dass sich nichts grundlegend ändern kann, weil das ganze jetzige Gesellschaftssystem auf Notwendigkeiten und Zwängen der menschlichen Natur fußt und daher im wahrsten Sinne alternativlos ist, während es doch um uns herum sichtbar zu zerbröseln droht.

Doch was wären denn Alternativen? Dadurch, dass jede Form des Protestes sofort eingebunden und kommerzialisiert wird, dadurch dass selbst viele der klügsten Geister höchstens gelegentlich dem Käfig der Ideologie entfliehen, sind noch nicht einmal Ansätze formuliert.

Um es konkret zu machen: kaum jemand hinterfragt, ob die Eurokrise nicht von den fehlenden Lohnerhöhungen in Deutschland mitverursacht wurde, ob das Geld, dass wir als Exportweltmeister jährlich verdienen, nicht von den Banken leichtsinnig im großen Casino verbrannt wurde, ohne dass dafür auch nur irgendein Sündenbock büßen musste oder etwas Grundlegendes gegen eine Wiederholung getan wurde, ob eine Schuldenbremse den Euroraum nicht auf Jahrzehnte dazu verurteilt, den Privatsektor real zu schrumpfen (Staatssektor + Privatsektor = Außenhandelsbilanz, setze ich den ersten Faktor auf 0 und der dritte ist leicht negativ, was bleibt dann dem zweiten?).

Ich habe es schon einmal geschrieben, die Perspektive auf das Problem ist immer schon Teil des Problems, man muss sich erst von der Ideologie lösen – und das bedeutet, man muss sie erst einmal als solche wahrnehmen.

Jede Krise ist eine Chance, in den nächsten Jahren öffnet sich mit Machtwechseln unter anderem in Deutschland und Frankreich möglicherweise ein Fenster, Europa neu zu denken, einen Europäischen Traum zu formulieren, der sich von den herrschenden Illusionen nur gerade so viel borgt wie unbedingt nötig, der kleinkarierten ökonomischen Nationalismus auf Dauer hinter sich lässt und eine politische Antwort auf die Macht der Märkte findet, ultimativ der Grundstein einer alternativen Ideologie.

Solche Träume sofort als utopisch abzutun, ist bloß der Pawlowsche Reflex des ideologisch geschulten Zynikers. Wer ihn verspürt hat, sollte sein Hufeisen wegschmeißen.
22.9.11 21:02


Werbung


What a difference a year makes

Das Jahrzehnt fängt ja sehr interessant an. Natürlich ist es nicht fair, die Situation in England mit der in Syrien oder Libyen zu vergleichen, aber auf einer sehr grundsätzlichen Ebene sehe ich doch einen komplexen Zusammenhang. Schauen wir uns mal an, was sich in letzter Zeit entscheidend geändert hat.

Sozioökonomisch: ansteigende Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise, zunehmende Volatilität der Finanzmärkte, größere Migrationsströme, stärkerer Handlungsdruck auf ständigen Krisen hinterher- hechelnde politische Systeme

Kommunikationsstrukturell: Kometenhafter Aufstieg der sozialen Netzwerke, durchgehende Mobilität der globalen Echtzeit- Massenkommunikation, Heranwachsen einer durch das Web geprägten Generation, erste Vorzeichen eines permanenten „Cyberwar“

Die Zusammenhänge sind sehr vielseitig, die Faktoren beeinflussen sich gegenseitig. Wichtig ist das Ergebnis: Aufstände, Revolutionen, Unruhen und Proteste, jeweils getragen von jungen Leuten, in der gesamten arabischen Welt, halb Europa (inklusive Amoklauf), sogar China und die amerikanische Tea Party kann man mitrechnen.

Und in Deutschland, mittlerweile dem so ziemlich einzigen Land in Europa, das noch halbwegs krisenfest ist, immerhin den „Wutbürger“ und „Facebook-Partys“. Der Vergleich ist gar nicht so unangebracht, wie er im ersten Moment vielleicht erscheint, da die Randbedingungen dieselben sind, das Ergebnis sich aber natürlich primär an der nationalen Situation ausrichtet.
Mir drängt sich der Eindruck auf, dass dieses Jahrzehnt sehr viel bedeutsamer werden könnte als die beiden zuvor. Die große historische Perspektive ist notorisch schwer auf die Gegenwart anzuwenden, aber sie kann als Erklärungsmuster bisweilen sehr hilfreich sein.

Anschnallen, bitte.
12.8.11 19:15


Larv, oh larv

Hmmm, so viel passiert, ich weiß gar nicht, wozu ich was schreiben soll. Wer nicht genau aufpasst, hat die neuste Regierungskrise, den neusten Staatsbankrott und den neusten Rücktritt immer schon wieder verpasst. Und zwischendurch finden die Leute auch noch Zeit, über peinliche Gesangsgalas auszuflippen, die National- mannschaft aufzustellen und sich über Israel aufzuregen, weil die zur Abwechslung auch mal Europäer umbringen.

Und so viele Fragen bleiben offen: wieso hat Superhorst so wenig Respekt vor seinem Amt, wie viele Brücken braucht Afghanistan, wie konnte Homburg doch noch aufsteigen, was ist denn dann Kochs Leben, heißt es nun der oder das Zölibat, was hat Gott gegen die Polen und unser Mittelfeld, schmeckt künstliches Leben, für was steht Schäuble, sind Küchenmesser schon Terrorismus, was machen BP-Ingenieure so beruflich, ist im Tor jetzt ein Neuer, nur weil der alte lieber die Bahn nahm?

Ach kommt, jetzt lacht doch mal. Ich kenn da einen tollen Witz: Margot Käßmann.
1.6.10 08:56


Sup

Was geht, Homies? Ich hör mich gerade die rote Linie entlang, macht durchaus Bock. Da ansonsten auf dem Blog wenig los ist und vielleicht mancher den Gewebegießer vermisst (das Projekt sollte ich wieder ins Auge fassen), verweise ich einfach noch einmal auf meinen DuRöhre-Bericht. Am besten lesezeichnen, aus bestimmten Gründen setz ich den Elfenjungen nicht mehr in die Navi.

Frieden raus
29.3.10 14:58


 [eine Seite weiter]




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung